Mittwoch, 17. Oktober 2012

Isolationshaft?


Die Urlaubsvertretung oder zeitlich begrenzte Isolationshaft.
Ein Tagebuch (Auszug)

02.08.2012
Heute, an einem Tag wie diesem  zwischen Sonnenstrahlen und Autolärm habe ich das Bedürfnis meine Sachen zu packen und zu fahren ans Meer. Die Weite möchte ich fühlen, die Reinheit der Luft atmen, die Wellenschläge hören und den Wind spüren auf meiner Haut, doch ich bleibe sitzen auf meinen Backen die man Arsch nennt. Sechs Stunden Arbeit liegen noch vor mir, Arbeit die man eigentlich gar nicht Arbeit nennen darf. Es kommt kein Kunde. Ich sitze auf meinem Hinterteil und schaue immer wieder auf die Straße; sehe einen Ausschnitt des Lebens durch Glas. Sehe eine Ampel die im selben Rhythmus die Farbe wechselt, kleine Autos, große Autos, Menschen mit heller und dunkler Haut die meist grimmig gucken und gelangweilt sind von ihrem eigenen Dasein.

Habe schon Zeitung gelesen, Kaffee getrunken, Bonbons gelutscht, mich im Spiegel betrachtet um zu sehen ob die Frisur noch sitzt… Und nun? Warten, endlos warten…wenn man wartet fließen die Gedanken schneller, ein Rauschen, Bilder, Wortfetzen kommen und gehen flutartig. Zwischendurch Ebbe, Leere, nichts mehr. Der Kopf ist still nur der Ton des warm gleichmäßig pochenden Herzens ist noch wahrnehmbar. Und dann…beginnt das Spiel von vorn, der ICE vollgeladen mit Lebensbildern fast überfüllt rast durch mein Gehirn.

Ein Kunde, zwei Kunden innerhalb von wenigen Minuten… freundlich sein, lächeln, ein kurzer Plausch und dann sehe ich ihm hinterher dem netten älteren Mann mit dem Rollator. „Einen schönen Tag Herr Adolf“ rufe ich noch und schon bin ich wieder mit mir allein.

…vielleicht sollte ich mit den Hemden und Hosen sprechen, die wohlduftend hinter Folien auf Stangen gehängt ebenfalls auf menschlichen Kontakt hoffen. Sie sehen traurig aus. Manchmal verbringen sie Tage sogar Wochen in diesem Zustand, hängend, eingepfercht, nach Luft schnappend, sehnsuchtsvoll den Blick zur Straße gerichtet. Gequält sehen sie aus, versehen mit Nummern sind sie und oftmals schwer zugerichtet, weil die Nadel vom Tacker nicht das Papier sondern sie getroffen hat. Sie leiden still und regungslos. Doch manchmal vernehme ich ein flüstern als halten sie Kontakt untereinander. Sie sind meine Begleiter, meine Verbündeten in diesen Stunden die ich hier sitze und mit der Langeweile  kämpfe. Sie kämpfen mit mir gemeinsam gegen das endlose Warten,  erinnern mich daran viel zu trinken um den Wasserhaushalt meines Körpers auszugleichen, feuern mich an wenn ich im Privatbereich des Ladens  meinen Körper stähle, sie führen meine Hand damit die Striche auf dem Papier aussehen als wären es handwerklich wertvolle Skizzen…sie kämpfen mit mir gegen Wollmäuse.

Zigarettenpause… ich trete für einen kurzen Moment raus aus der Stille hinein in den täglichen Wahnsinn. Begebe mich auf den Fenstervorsprung des angrenzenden Dönerladens und ziehe Zug um Zug mir den Qualm zwischen die Lungenflügel. Beim Betrachten der mir schier endlos langen Straße, den Männern und Frauen sowie Kindern kommt mir der Gedanke… wenn ich eine Zauberin wäre, eine Fee oder eine Hexe – nein, eine Hexe will ich nicht sein; könnte ich die Welt für einen Augenblick anhalten und mit einem einzigen Zauberspruch den vorbei laufenden Menschen ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Dann wäre diese Straße, die wirklich nicht schön anzusehen ist, um einiges heller. Aber ich bin keine Zauberin oder Fee. Ich bin nur ein irdischer Mensch der irgendwann, wie alle anderen auch das Zeitliche segnet. Schwups…die Zigarette ist verglüht. Ich kehre zurück in meine mit Neonlicht bestrahlte Box und warte erneut…

Noch eine Stunde bis zur Mittagspause, dann zwei Stunden Freiheit.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Gebettet auf Leinen

...
gebettet auf Leinen
hängend im Schein der Nacht
zwischen warmen Körpern
... fallen lassen.


Freitag, 18. Mai 2012

Bei mir ...


...bei mir geht überhaupt nichts mehr
weil sich alles um dich dreht,
seit der Himmel jeden Morgen
deine Augenfarbe trägt...
(Element of Crime)









Samstag, 12. Mai 2012

Fabrikansichten

Gestern Abend im Schein der untergehenden Sonne kletterte ich voller Begeisterung über den Zaun des Fabrikgeländes; mit einer Flasche Bier in der einen, mit der Kamera in der anderen Hand und einer Taschenlampe unterm Arm. Ein wenig zittrig in den Beinen, das Herz schneller pochend in der Brust und mit weit geöffneten Ohren schlich ich mich über den Asphalt, weiter durch die dunklen Katakomben im inneren des Hauses...

Ich finde alte Gemäuer mit verborgenen Geschichten wunderbar.





Mittwoch, 21. März 2012

Füße vergraben im Meer

Fusion Nr.81

Die Füße vergraben im Meer aus Blumen.
Die Hände verloren in den Lüften des Windes.
Der Körper verschwunden im Schatten der Häuser.

Mittwoch, 14. März 2012

Das Killer Spiel



KILLER

"Bei Killer bekommt jeder Spieler eine beliebige Anzahl von „Leben“ (zum Beispiel sechs Leben). Ein Spieler gibt ein Feld vor. Dabei ist jedes beliebige Feld auf dem Board möglich – Triple, Double, Bull, Bull’s Eye oder auch ein Single-Feld. Die nachfolgenden Spieler müssen nun versuchen, dieses Feld zu treffen. Dafür steht jedem ein Wurf (das sind insgesamt drei Darts) zur Verfügung. Trifft ein Spieler nicht, so verliert er ein Leben, und der nächste Spieler ist an der Reihe. Trifft er das vorgelegte Feld, muss er ein neues Feld vorlegen. Hierzu stehen ihm seine noch verbleibenden Darts zur Verfügung. Hatte er mit seinem dritten Dart das vorgelegte Feld getroffen, darf er mit drei neuen Darts vorlegen. Es zählt jedoch das erste getroffene Feld. Gelingt es ihm nicht, vorzulegen, weil er zum Beispiel kein Feld trifft oder der letzte ihm zur Verfügung stehende Dart abprallt, verliert er ebenfalls ein Leben, und der nächste Spieler darf vorlegen. Der Spieler, der vorgelegt hat, setzt jeweils aus. Sind alle Spieler ausgeschieden, muss der Spieler, der noch übrig ist und demzufolge als letzter vorgelegt hat, sein vorgelegtes Feld bestätigen. Pro übriggebliebenes Leben stehen ihm drei Darts zur Verfügung. Bestätigt er nicht, gibt es keinen Sieger. Die Bestätigungsregel zum Schluss ist optional.
(Quelle: "http://de.wikipedia.org/wiki/Darts)

Dienstag, 6. März 2012

Zwischen Blumen und Steinen



2012 / 60cm x 42,4cm / Limited Edition (Auflage: 150) / Lambda Foto-Abzug

Über ein Blatt mit Gedichten
Frisch aus der Schreibmaschine
läuft ein Insekt
Ich weiß nicht ob es mir Spaß gemacht hätte
Aber das weiß ich genau ich hätte es umgebracht
vor zehn Jahren ohne
Zögern Was ist anders geworden
Ich oder die Welt
(Heiner Müller / Werke1-Die Gedichte; Seite 311 / Suhrkamp Verlag / 1998)


Montag, 27. Februar 2012

Junges Herz wird einmal alt



Kleine Hände werden einmal groß.
Strahlende Augen werden einmal stumpf.
Dünnes Blut wird einmal dick.
Hörende Ohren werden einmal taub.
Harte Knochen werden einmal weich.
Junges Herz wird einmal alt.
Bald,
bald,
bald.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Das Mädchen mit den Flügeln



"Ach könnte ich doch fliegen,
die Welt von oben sehen."
Sie hört das Gras wachsen und der Schmetterlinge 
Flügelschlag.
"Ach könnte ich doch fliegen,
mit meinen Gefährten Richtung Süden ziehen."
Sie spricht mit Käfern und mit Blumen.
"Ach könnte ich doch fliegen,
über Berg und Tal hinweg."
Sie schließt die Augen breitet Ihre Flügel aus
und fliegt davon.

Montag, 6. Februar 2012

Ich weiß


Ich weiß


Ich, weiß du bist mir zugetan,
ich weiß, dass du mich liebst,
ich weiß um unser'n Zukunftsplan,
ich weiß, was du mir gibst.

Ich weiß um die Verlässlichkeit,
ich weiß um deinen Mut,
ich weiß, es gibt auch manchmal Streit,
ich weiß, du tust mir gut.

Ich weiß es, doch ich fühl es nicht,
warum ich bei dir bin,
drum bitte ich nun dein Gesicht,
zu zeigen mir den Sinn.

(von Lorenz Filius aus "Gedanken durch die Zeit"
Gedichte zu Momenten des Menschseins)

Sonntag, 29. Januar 2012

Das Wort zum Sonntag

Ein grauer Sonntag,
die Wolken hängen tief über den Dächern der Stadt.
EINER 
der krampfhaft versucht Laute von sich zu geben,
steht am Fenster des Balkons.
Blasen quellen aus seinem Mund
beim Anblick der mit grauer Farbe überfluteten Stadt.
Sprachlos steht er an der vergilbten Fensterscheibe,
Worte finden fällt schwer.
Der graue EINER kann nicht mehr.
Im Hintergrund tänzelt seine Frau durchs Zimmer,
die Musik laut aufgedreht.
Sie fängt die leeren Blasen mit dem Kescher,
bettet sie sanft in eine Schüssel voll Mehl und formt sie zärtlich zu Russisch Brot. 
Beim gemeinsamen Abendessen naschen beide von den leckeren Buchstaben,
die Schüssel ist leer.
EINER wirft einen letzten Blick aus dem Fenster,
das Grau stört nun nicht mehr.

Dienstag, 24. Januar 2012

Ausflug ins Tierreich



Ein Ausflug ins Tierreich war nicht in meiner Planung vorgesehen
aber wie es manchmal so ist begegnen wir Dingen die man nicht im Kopf hatte.

In einem Discounter entdeckte ich beim Einkauf eine Anleitung zum Zeichnen von Tieren.

Mit Tieren hatte ich mich bisher noch nicht auseinander gesetzt und fand es sehr aufregend in diesen Bereich zeichnerisch vorzudringen.
Bei einer Tasse Tee bewältigte ich die Anleitung zum zeichnen, malte Vierecke, Kreise ... und verband dann alles mit Linien.

Ich stellte fest das mich diese Herangehenweise ein wenig in meiner impulsiven Art Dinge aufs Papier zu bringen gebremst hatte.

Es heißt ja: "Übung macht den Meister."

Meine Frage nun an die Künstler unter euch,
geht ihr über das zusammenfügen von Formen an eine Zeichnung heran oder nehmt ihr schon vorhandene Bilder und malt diese in eurer Interpretation, ... ? 

Dienstag, 10. Januar 2012

Die Geschichte ändern durch Farbe und Raum

Mein Ausgangsmaterial
ist diese Zeichnung auf Papier.


Ich bin auf der Suche
und experimentiere damit, ob es möglich ist mit ein
und dem selben Bild als Ausgangsmaterial unterschiedliche Geschichten zu erzählen, nur durch das bloße ändern von Raum und Farbe.


Experiment I


Hier habe ich die Fotografie einer Treppe als räumliche Veränderung verwendet.


Experiment II


Hier benutzte ich eine Arbeit aus meinem "Fusion-Projekt".


Experiment III


In dieser Variante änderte ich ebenfalls die Farbe und fügte eine Fotografie von einer Mauer mit aufgesetzten Stahlstacheln hinzu.


Es sind vier Bilder aber sind es auch vier unterschiedliche Geschichten?

Mittwoch, 4. Januar 2012

Ist es Digital Art oder Mixed Media oder ...

Ich wurde gefragt

ist es Digital-Art oder Mixed Media oder ...
ein wenig von allem würde ich sagen,
doch das wichtigste
am Ende ist es ein Werk hinter dem ich stehe.

Nur so viel, um euch einen kleinen Einblick in meine Arbeit zu geben, alles beginnt mit einer Malerei oder Zeichnung, hier in diesem Beispiel ist es ein Druck dem ich durch Verwendung von schwarzem Permanent Marker ein wenig zum Leben verholfen habe.




Derzeit ist mein Thema:
Verformungen - Abgründe der menschlichen Seele - Spiegelbilder

Das Thema kam mir in den Sinn als ich festgestellt habe das ich jeden Morgen wenn ich in den Spiegel sehe entweder um Stunden, sogar um Monate innerhalb einer Nacht gealtert bin oder mich um Sekunden, ja manchmal auch (ich kann es dann selbst fast nicht glauben) um Jahre verjüngt habe.
Mein seelischer Zustand spiegelt sich in meinem Gesicht, die erlebten Momente, Gedanken, Geschichten zeichnen sich ab auf meiner Haut.
Ich folge der Frage; auf welcher Art und Weise, Erlebnisse oder Eindrücke den menschlichen Körper verformen.




Als nächsten Schritt nehme ich eine Fotografie, hier z.B. der Kopf einer Schaufensterpuppe, sie hat Ausdruck, jedoch kein Leben in sich. Die Schaufensterpuppe dient als Projektionsfläche um die Geschichten und Abgründe herauszuarbeiten.


"Fusion Nr.53"


Dann folgt der entscheidende, kreativste, langwierigste und letzte Schritt, die Verschmelzung beider Komponenten mittels Computer. In diesem Prozess finden Überlagerungen, Retuschen, Verfärbungen, Kritzeleien statt.


So nun sagt mir ist es
Digital-Art
oder
Mixed Media
oder
...
einfach nur
ein Bild ?