Freitag, 28. März 2014

Baumgeflüster








VON DEN WÄLDERN

1
Des Morgens müßt ihr auch auf eure Wälder schauen
die grünenden: es scheint die Sonne drauf.
Bis in die höchsten Wipfel schaut hinauf
ob Wind weht. In den Himmel auch, den blauen.

2
Vergesset auch den kahlen Baum da nicht zu loben:
er hat kein Blattwerk mehr, doch übers Jahr
ist er voll Blattwerks wieder wie ers war.
Auch weht der Wind in seinem Wipfel oben.

3
So sehet hin Habt ihr sie lang genug besehen 
die Wälder wie das Land, das euch sie gibt - 
vielleicht geschieht es dann, daß ihr es liebt.
Solang ihrs liebt, kann es euch nicht vergehen.

(Heiner Müller "Werke 1 / Die Gedichte" Suhrkamp Verlag)

Donnerstag, 27. März 2014

Hinter Zäunen. Fremde Welt.









Hinter Zäunen.

Welten
nicht deine
nicht meine
Riesen wohnen da
Menschen
nicht Fisch
nicht Fleisch
nicht greifbar
aus der Erde geboren
aus dem Leib geworfen
wie du
wie ich
und doch anders.

Fremde Welt.

Mittwoch, 26. März 2014

Vater und Sohn

It's not time to make a change
Just relax, take it easy
You're still young, that's your fault
There's so much you have to know
Find a girl, settle down
If you want you can marry.
Look at me, I am old, but I'm happy.

I was once like you are now
And I know that it's not easy
To be calm when you've found something going on
But take your time, think a lot
Why think of everything you've got
For you will still be here tomorrow, but your dreams may not.

How can I try to explain
When I do he turns away again
It's always been the same, the same old story
From the moment I could talk
I was ordered to listen
There's a way and I know that I have to go away
I know I have to go

It's not time to make a change
Just sit down, take it slowly
You're still young, that's your fault
There's so much you have to go through
Find a girl, settle down
If you want you can marry
Look at me, I am old, but I'm happy

All the times that I cried
Keeping all the things I knew inside
It's hard, but it's harder to ignore it
If they were right, I'd agree
But it's them you know not me
Now there's a way and I know that I have to go away
I know I have to go

Dienstag, 25. März 2014

Luftraum am Stadtrandgebiet



Luftraum

Häuser stürzen im Wind
achtloses
Geschrei
im Taumel des Tages
wild gewordene 
Menschen
in den Bürgersteigrinnen
fallen
weggeworfen
Leichenblass

einen Sonnenstrahl
im Herzen
tragend
ihn vergessend
im laufe der Zeit
Alltag
Müllcontainer
Staubwolken
Straßenlärm 

in stillen Momenten
breiten sie 
wie Flügel
ihre Arme
Farben
Klänge

Träume beginnen.

Montag, 24. März 2014

Flieg Vogel, flieg








drängen 
über Brücken
schwärmen aus
über Mauern hinweg
Bergkuppen
hinauf
Luftstrom
Flügelschlag
fallen
steigen höher und höher
jeden Morgen
jeden Abend
ein Ritual

entschwinden

Samstag, 22. März 2014

Limited Time: Gehüllt in Leinen


Fusion Nr. 69 / 2012 / mixed media

Fusion Nr. 69 entstand im Jahr 2012, ist eine Verschmelzung aus Skizzen, Malerei und Fotografie, digitalisiert und bearbeitet am Computer. Es gehört zu den Bildern die in ihrer Farbwahl extremer gewählt sind.

Die Geschichte hinter dem Bild: 
Mutter und Tochter die ein Leben lang vereint sind. 

Eine Mutter die ihr Kind im Bauch getragen hat und nachdem es auf die Welt kam, im inneren in Sich eine Lücke verzeichnet. Der Bauch, der Unterleib plötzlich leer, ausgehöhlt, undurchsichtig...das Kind dem eigenen Leib entrissen weil es die Natur so will. 

Die Tochter wird größer, älter, wächst an ihrer Lebensgeschichte, wird zur Frau und bleibt trotzdem das Kind was gehüllt und getragen wird in Leinen. 



Limited Time Nr. 2:
findet statt vom 22.03.2014 -27.03.2014, zwei Größen werden zum Kauf angeboten, jeweils in einer Auflage von 10 Exemplaren.

http://fineartamerica.com/weeklypromotion.html?promotionid=139985  (Größe 60cm x 91cm)
http://fineartamerica.com/weeklypromotion.html?promotionid=139986  (Größe 76cm x 100cm)

Nach dem Ende des Zeitraumes hat Fusion Nr. 69 seine Geschichte aus erzählt und wird gelöscht.

Freitag, 21. März 2014

Märchenzeit: "Das Unglaubliche" von Johann W. Wolf



Es war ein Edelmann, der fuhr nicht anders, als mit vier Pferden aus und tat dabei so stolz, als ob er der König oder gar der Kaiser von Deutschland wär. Das ärgerte einen Bauern, welcher neben dem Edelhof wohnte und sechs Pferde hatte. Als der Edelmann es ihm zu bunt machte, spannte er seine Sechs an seinen großen Heuwagen und fuhr stets hinter dem Edelmann drein, zwei Knechte vorn, er in der Mitte und vier Knechte hinter ihm. Das erste Mal tat der Edelmann, als bemerke er das nicht, das zweite Mal warf er dem Bauern nur einen giftigen Blick zu, das dritte Mal rief er, wenn das noch einmal geschehe, dann... Was er weiter sagte konnte kein Mensch verstehen, denn sobald der Edelmann anfing zu sprechen, gab der Bauer den Knechten ein Zeichen und sie knallten mit ihren Peitschen, als ob das wilde Heer heranführe. Am folgenden Morgen verklagte der Edelmann ihn beim Richter. Der setzte seine Brille auf und schlug alle seine Bücher auf, aber ein solcher Fall stand nicht darin. Endlich entschied er also: "Wer von euch Beiden eine Lüge erfindet, die so groß ist, dass der Andre sie nicht glauben kann, der darf mit allen seinen Pferden ausfahren, der Andre muss zu Hause bleiben." Da rieb sich der Edelmann die Hände und dachte, jetzt sei der Bauer verloren, denn der sei keinesfalls so pfiffig wie er. Er zog ein Restchen Brod aus seiner Jagdtasche, hub an zu lügen und sprach: "Gestern haben meine Tagelöhner bis neun Uhr Abends Korn gedroschen, das habe ich säen lassen; es war um elf Uhr reif, um zwei Uhr gemahlen und hier ist das Brod davon." "Das glaube ich gern", sprach der Bauer. "Ich habe gestern Abend Eicheln gelesen und gesäet, die hatten heute Morgen schon gekeimt; da habe ich mir aus ihrem Holz eine Leiter gemacht, die legte ich an den Himmel an und stieg hinauf. Der Erste, dem ich da begegnete, denkt Herr Edelmann, das war euer Großvater, der saß als Sauhirt hinter der Türe." "Das ist gelogen" schrie der Edelmann zornig; der Richter aber sprach: "Und darum sollt ihr mit euren Pferden daheim bleiben, der Bauer aber darf mit Sechsen ausfahren."

(Quelle: http://www.1000-maerchen.de/fairyTale/4029-das-unglaubliche.htm)


Donnerstag, 20. März 2014

Der Einkaufswagen

Im Flussbett gestrandet, weggeworfen als hätte er keine Geschichte, keine Träume...der Einkaufswagen. Vor drei Wochen noch fuhr Familie Rosenknecht mit ihm im Supermarkt von einem Regal zum nächsten und stopfte ihn voll mit Getränken, Klopapier, Waschpulver, fünf Päckchen Salami, Toast, Käse und Milch... Er hörte die kleine Luise nach Schokolade betteln, schreiend trug er sie auf seinem Rücken, er hat es ertragen, stillschweigend, hat sich zur Verfügung gestellt als Packesel und nichts verlangt. 
Und nun...war es Familie Rosenknecht die ihn so achtlos hat weggeworfen, in die kalten Fluten des Flusses, auf die nackten Steine und Scherben geschoben...kein Dach mehr über dem Kopf?  


                                                                                                  

Montag, 17. März 2014

Märchenzeit: "Der Rosenelf" von H. C. Andersen


Mitten in einem Garten wuchs ein Rosenstock, der war ganz voller Rosen, und in einer derselben, der schönsten von allen, wohnte ein Elf; er war so winzig klein, dass kein menschliches Auge ihn erblicken konnte; hinter jedem Blatte in der Rose hatte er eine Schlafkammer; er war so wohlgebildet und schön wie nur ein Kind sein konnte, und hatte Flügel von den Schultern bis gerade hinunter zu den Füßen. O, welcher Duft war in seinem Zimmer, und wie klar uns schön waren die Wände! Es waren ja die blassroten Rosenblätter. Den ganzen Tag erfreute er sich im warmen Sonnenschein, flog von Blume zu Blume , tanzte auf den Flügeln des fliegenden Schmetterlings und maß, wie viele Schritte er zu gehen hatte, um über alle Landstraßen und Steige zu gelangen, welche auf einem einzigen Lindenblatte sind. Das war, was wir die Adern im Blatte nennen, die er für Landstraßen und Steige nahm, ja das waren große Wege für ihn! Ehe er damit fertig wurde, ging die Sonne unter, er hatte auch spät damit angefangen.
Es wurde kalt, der Tau fiel und der Wind wehte; nun war es das Beste, nach Hause zu kommen, er tummelte sich, so sehr er konnte, aber die Rose hatte sich geschlossen, er konnte nicht hineingelangen - keine einzige Rose stand geöffnet. Der arme kleine Elf erschrak sehr. Er war früher nie Nachts weggewesen, hatte immer süß hinter den warmen Rosenblättern geschlummert. O, das wird sicher sein Tod werden!
Am andern Ende des Gartens, wusste er, befand sich eine Laube mit schönem Jelängerjelieber, die Blumen sahen wie große bemalte Hörner aus; in eine derselben wollte er hinabsteigen und bis morgen schlafen.
Er flog dahin. Was sah er! Es waren zwei Menschen darin, ein junger hübscher Mann und ein schönes Mädchen; sie saßen nebeneinander und wünschten, dass sie sich nicht zu trennen brauchten; sie waren einander so gut, weit mehr noch, als das beste Kind seiner Mutter und seinem Vater sein kann.
"Doch müssen wir uns trennen!" sagte der junge Mann. "Dein Bruder mag uns nicht leiden, deshalb sendet er mich mit einem Auftrage soweit über Berge und Seen fort! Lebe wohl, meine süße Braut, denn das bist du mir doch!"
Dann küssten sie sich, und das junge Mädchen weinte und gab ihm eine Rose. Aber bevor sie ihm dieselbe reichte, drückte sie einen Kuss darauf, so fest und innig, dass die Blume sich öffnete. Da flog der kleine Elf in diese hinein und lehnte sein Haupt gegen die feinen duftenden Wände, hier konnte er gut hören, dass Lebewohl gesagt wurde. Und er fühlte, dass die Rose ihren Platz an des jungen Mannes Brust erhielt. O wie schlug doch das Herz darinnen! Der kleine Elf konnte gar nicht einschlafen, so pochte es. ...

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Samstag, 15. März 2014

Fotografien sind Momente des Innehaltens

Drücke ich auf den Auslöser einer Kamera, wo es keine Rolle spielt ob es eine vom Handy ist, analoge oder digitale Kompaktkamera...der Moment zählt, der Blick auf die fokussierten Elemente. Ein Foto machen um später in stillen Momenten Inne zu halten...Beobachter werden, Forscher, Details erkennen die in der Schnelllebigkeit des Lebens übersehen wurden wären. Den Blick für die kleinen Dinge schulen um zu begreifen und staunend fest zu stellen das die kleinen oft unscheinbaren Dinge, Große sein können...die berühren, bewegen, einen nicht mehr los lassen...















Freitag, 14. März 2014

Hamlet und Ophelia




















Textauszüge aus "Die Hamletmaschine" von Heiner Müller


Faltenschlag

Eingegrabener Faltenschlag, in der Ritze fest verankert
Haut
Landkartenfelder, Weggefährten, Sinnflut
jeder Gang gekennzeichnet, jeder Ort des Verweilens benannt
Porentief
Rausch, Leben, Abgang.



Donnerstag, 13. März 2014

Limited Time Promotion als Abschaffungsprozess

Fluch und Segen gleichermaßen. Ich wache morgens auf beginne den Tag mit einer Tasse Tee und Musik aus den Boxen meines aufklappbaren Kommunikationsmittels und mein Kopf beginnt schon da überzuquellen...Ideenflut, kreativer Überschuss, Träume, Farbrausch...alles auf Einmal binnen von Minuten. Eigentlich wäre es da schon sinnvoll sich wieder in die Schlafstadt zurück zu begeben, denn Herr der Situation zu werden und alle aufkommenden künstlerischen Phantasien  in die Tat umzusetzen...Fehlanzeige. Also beginne ich schon morgens um 5.30 Uhr der Filterungsanlage gerecht zu werden...Karteikartengebilde sammeln sich auf, unter meinem Schreibtisch und bekommen kurze Momente der Aufmerksamkeit, da noch ein Wort, dort noch ein Strich oder Punkt und Komma...ich bin ein Sammler stelle ich fest. Den Überblick aber nicht verloren nur unsortiert alles bereit für die Umsetzung...künstlerische Kurzprojekte ist das Stichwort, alles andere treibt mich in den Wahnsinn. Idee...malen, bearbeiten, skizzieren, fotografieren und dann am ende eine Fusion herbeiführen...Fertig. Und dann wird es spannend, was heißt spannend...schon da kurze Zeit später beginnt der innerliche Abschaffungsprozess. Das Bild wieder abstoßen, sich trennen, Blickwinkel verwerfen, Kompositionen entfliehen...Kopf und Herz stückhaft entleeren um neuen Dingen Platz zu schaffen...Platz schaffen aber wie?

Limited Time Promotion für mich eine Lösung!
Jedes Bild  von dem ich mich lösen möchte bekommt noch einmal die Chance gesehen zu werden um bei Interesse auch gekauft werden zu können. Eine Woche lang wird jedes Bild in zwei Größen angeboten in einer Auflage von 10 Stück pro Größe. Wenn die Zeit abgelaufen ist, wird dieses Werk vernichtet um Platz zu schaffen für Neues.
Radikal ich weiß aber manchmal muss es radikal sein!









Black and White


In Weiß gehüllt
die Dunkelheit im Nacken,
schwarz um den Mund
mit blauen Lippen.









Mittwoch, 12. März 2014

Wurfkunst mit Wurmfortsatz

Nach langem Stillstand der Seite und vielen kreativen und weniger kreativen Phasen in den letzten Wochen und Monaten, melde ich mich heute zurück um nun wieder regelmäßig die Seite mit Leben zu füllen; Neuanfang bringen und die Richtung vorgeben. Improvisiertes, zwar Durchdachtes und mit Ideengrundlage aber nicht zur Vollendung geführtes. Ist überhaupt ein Ende in Sicht bei der Frage nach Kunst, Vollendung...?...
Skizzieren, bewegen, hin und her schieben, anstoßen, abschaffen...neu strukturieren...fotografieren, philosophieren, weiße Blätter verunstalten und ab und zu den Strich richtig setzen...Bilder einfangen und ausblenden, Farben mischen und Wörter so in den Raum werfen das eventuell auch einer was versteht. Beginnen und Pausieren, atmen und Atem anhalten...
Wurfkunst mit Wurmfortsatz!